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Der negative Synchronisierungsfehler (NSF) - Effekte unterschiedlicher musikalischer Expertise?

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Publication details

Title of host publicationTagungsband Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie, Würzburg
DatePublished - 2005
PublisherDeutsche Gesellschaft für Musikpsychologie
Place of PublicationWürzburg, Germany
Original languageUndefined/Unknown

Abstract

Hintergrund: Stellt man Versuchspersonen die Aufgabe, eine Fingerbewegung zu einem gleichmäßig wiederholten auditiven Führungssignal zu synchronisieren, tendieren sie dazu, die Bewegung einige Millisekunden vor dem Signal auszuführen (Dunlap 1910). Bisherige Studien konnten zeigen, dass dieses als negativer Synchronisierungsfehler (NSF) bezeichnete Phänomen bei professionellen Musikern geringer ausgeprägt ist als bei Nicht-Musikern. Dies ist ein eindeutiger Expertiseeffekt. Daraus ergibt sich die Frage, ob dieser Expertiseeffekt durch unterschiedliches musikalisches Training bei verschiedenen Musikergruppen beeinflusst wird. Das erste Ziel der Untersuchung war festzustellen, ob Schlagzeuger durch ihr instrumentbedingtes, umfangreiches zeitkritisches Training einen kleineren NSF aufweisen als Pianisten oder Sänger. Dieser Zusammenhang konnte bereits von Gérard Rosenfeld (1995) gefunden werden. Als Zweites wurde untersucht, wie ein zusätzliches auditives Feedback beim Synchrontappen sowie unterschiedliche Tempi das synchronisierte Tapping beeinflussen. Methoden: Versuchspersonen (Vpn) waren 33 Musikstudenten der Hochschule für Musik und Theater Hannover, die nach ihrem Hauptfach Klavier (n = 11), Schlagzeug (n = 11) oder Gesang (n = 11) in drei Gruppen unterteilt wurden. In einem 2 x 2 x 3-Messwiederholungsdesign wurden die sechs Bedingungen untersucht. Dazu wurde den Vpn aller Gruppen das Triggersignal (Ton mit halber Dauer des Interstimulusintervalls) in randomisierter Reihenfolge mit und ohne akustischem Feedback sowie auf den Tempostufen 68 bpm, 109 bpm und 182 bpm präsentiert. Die Aufgabe der Vpn war, so genau wie möglich mit dem Mittelfinger eine synchronisierende Tapping-Bewegung zum Triggersignal auszuführen. Der Zeitpunkt des Klopfens wurde mit einem masselosen kapazitiven Taster und einer selbst entwickelten Hardware-Software-Kombination in einer DOS-Umgebung auf einem Laptop registriert. Die Zeitauflösung der Messapparatur lag im Bereich von 1--2 ms. Ergebnisse: Die Zugehörigkeit der Vpn zu den Musikergruppen liefert keine signifikanten Performanzunterschiede hinsichtlich des NSF. Jedoch hat das Tapping mit Feedback im Mittel eine Verringerung des NSF von mehreren Millisekunden zur Folge. Beim Vergleich der Tempostufen konnte eine geringere Asynchronie beim mittleren als gegenüber dem langsamen Tempo beobachtet werden. Diskussion: Die Hypothese, dass das hochspezialisierte Training von Schlagzeugern im Vergleich zu Pianisten oder Sängern einen verringernden Einfluss auf den NSF hat, kann durch die Ergebnisse nicht bestätigt werden. Dies widerspricht den Befunden von Gérard Rosenfeld (1995), welche von einer geringeren Asynchronie bei Schlagzeugern berichten. Möglicherweise sind die Pianisten ebenso geübt, weil auch das Klavierspiel eine präzise Zeitkoordination ihres Bewegungsapparates erfordert. Der positive Einfluss des zusätzlichen auditiven Feedbacks lässt sich eventuell durch die schnellere Informationsübertragung im auditiven als im somatosensorischen System erklären (Nervenleitungshypothese des NSF, s. z. B. Aschersleben 2000). Der reduzierte NSF im mittleren Tempo könnte dadurch zustande kommen, dass kürzere Tappingintervalle eine geringere Anforderung an das Zeitwahrnehmungssystem stellen als längere Intervalle (Wohlschläger Koch 2000).

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